„Räum dein Zimmer auf“, „Sei spätestens um zehn wieder zu Hause“, „Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast …“.

Sätze, die viele Jugendliche schon einmal gehört haben, erscheinen den Schülern der Klasse 8d der Jacob-Ellrod-Schule nun in einem völlig neuen Licht.

Die 25 Jungen und Mädchen stellten sich der selbstgewählten Herausforderung, Obdachlosen in einer Großstadt zu helfen. Schnell wurde sich auf die Stadt Nürnberg geeinigt und mit selbstformulierten Briefen die Spendensammlung begonnen. Innerhalb einer Woche kamen viele nützliche Dinge, wie Hygieneartikel oder Naschereien, in der Schule an, die in kleinere Tüten sinnvoll verteilt wurden. Dann kam der große Tag, an dem die Klasse mit den Lehrern Frau Engels, Frau Hollweg und Herrn Kolb die Reise antrat:

Bepackt mit Spendentäschchen und Lunchpaketen fuhren sie mit dem Zug nach Nürnberg. Dort fand sich die Gelegenheit die Organisation RAMPE e.V. kennenzulernen, welche sich speziell um obdachlose Jugendliche kümmert. Hier berichtete Johannes, ein Mitarbeiter, dass der Jüngste ihrer Klienten im Moment 14 Jahre, also genauso alt wie die Schüler, sei. Unvorstellbar! Er erklärte kurz den Unterschied zwischen „obdachlos“ und „wohnungslos“, erzählte Fälle aus seinem Arbeitsalltag und gab Ratschläge für die spätere Arbeit in sozialen Berufen. Auch die Fragen der Schüler kamen nicht zu kurz und es gab Tipps, um mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen. Nach einem Gruppenfoto ging es dann weiter in die Innenstadt.

In drei Kleingruppen verteilten sich die Jugendlichen von der St. Lorenzkirche aus und machten sich auf die Suche nach bedürftigen Menschen. Aber erst nachdem die Blicke, weg von den einladenden Schaufenstern mit Markenuhren und Brautkleidern, wieder auf die eigentliche Herausforderung fokussiert wurden, sah man sie: Sie sahen Bettler am Boden sitzend vor den Geschäften, im Rollstuhl, mit Hund, in Gruppen, ohne Zähne. Sie sahen alte dreckige Männer mit all ihren Habseligkeiten auf eine Sackkarre gebunden und alte Frauen mit Rollator, die Mülltonnen nach Brauchbarem durchsuchten.

Also begannen sie zu helfen.

Für die Lehrer völlig überraschend, war das Ansprechen der Leute kein Problem. Das Helfen beflügelte. Die Geschichten von Frauen, die das Weinen anfingen oder Gott für die Hilfe dankten, machten schnell die Runde, so dass jeder Schüler einmal ein Geschenk überreichen wollte. Erst als alle Spenden verteilt waren, gaben sie sich zufrieden. Die Geldspenden wurden noch zu RAMPE e.V. gebracht und man begab sich glücklich auf den Rückweg nach Gefrees.

Hier wurde alles für eine Übernachtung unter freiem Himmel auf dem Sportplatz vorbereitet. Ans Schlafen wurde allerdings noch lange nicht gedacht. Am Lagerfeuer aßen alle noch Pizza, spielten Spiele und unterhielten sich bis weit nach Mitternacht. Erst dann ging der anstrengende Tag (33.000 Schritte) zu Ende und sie kuschelten sich in die Schlafsäcke. Ohne Dach über dem Kopf, aber mit Freunden an der Seite.

Aber als hätte dieses Erlebnis noch nicht genug Aufregung geboten, fing es um halb drei an zu regnen. In Windeseile wurden die Habseligkeiten zusammengerafft, um ins Schulhaus bzw. die Turnhalle umzuziehen. Hier war es trocken und warm. Wie schön!

Ein Dach über dem Kopf. Ein Zimmer, ein eigenes Zimmer, eine Familie mit der man gemeinsam am Tisch sitzt, ein Zuhause, das haben nicht alle Menschen in Deutschland.

Von ganzem Herzen danken wir allen, die geholfen haben, diesen Menschen eine kleine Freude zu machen.